16.04.2026 - 6 Stadtwerke Wedel - Wärmenetzausbau in Wedel
Grunddaten
- TOP:
- Ö 6
- Gremium:
- Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss
- Datum:
- Do., 16.04.2026
- Status:
- gemischt (Sitzungsgeld freigegeben)
- Uhrzeit:
- 19:00
- Anlass:
- Sitzung
Wortprotokoll
Herr Maurer sowie Herr Meyerhoff präsentieren den aktuellen Sachstand zum Wärmenetzausbau in Wedel. Das grundsätzliche Ziel sind erneuerbare Energien in den Heizungsanlagen der Anwohnenden bis zum Jahr 2040. Somit verbleiben noch 14 Jahre für den Wärmenetzausbau, allerdings wird für die Planung schon ungefähr fünf Jahre benötigt. Dafür wurde der Kommunale Wärme- und Kälteplan beschlossen. Dieser ist ein reines Planungsinstrument und beinhaltet keine rechtliche Umsetzungsverpflichtung. Des Weiteren gibt es den Transformationsplan, der ein strategisches Planungsinstrument für einen Wärmenetzausbau darstellt. Je nachdem, ob ein Bestandsnetz bereits vorliegt oder neu geschaffen werden muss, gibt es verschiedene Anforderungen. Der Fernwärmeausbau funktioniert nur als Gesamtsystem, weil es hochkomplex ist. Ein gemeinsamer Konsens ist daher unabdingbar für dieses soziale Gemeinschaftsprojekt. Aktuell entstehen für einen Meter Trasse Kosten in Höhe von etwa 3.000 Euro. Ein wichtiger Schlüsselfaktor für den Wärmenetzausbau ist daher die Verlässlichkeit der Genehmigungsverfahren: Dieses Thema ist anspruchsvoll und aktuell gibt es Einzelfallentscheidungen. Dies wird auch künftig so bleiben, weil es verwaltungstechnisch nicht anders umsetzbar ist. Die Stadtwerke stehen diesbezüglich in einem guten Austausch mit der Verwaltung, um das Genehmigungsverfahren mit einem Rahmenkatalog verlässlicher zu gestalten. Anträge für Trassen können dann im monatlichen Takt gestellt werden. Der zweite Schlüsselfaktor sind die Ressourcen. Für einen einheitlichen Ablauf und eine schnelle Bearbeitung müssen Ressourcen in Form von Arbeitskraft innerhalb der Verwaltung bereitgestellt werden. Der dritte Schlüsselfaktor beinhaltet die Planungssicherheit – diese ist verbunden mit der Wirtschaftlichkeit. Auf der einen Seite geht der Ausbau der Fernwärme direkt durch die Straßen, auf der anderen Seite muss der Straßenkörper erhalten bleiben. Aufgrund der hohen Sanierungskosten möchte die Verwaltung keine Straßen aufreißen, die in einem vernünftigen Zustand sind. An diesem Punkt entsteht dann ein Interessenkonflikt und genau dort muss die Politik Schwerpunkte setzen. Die Lösung könnte eine Kombination beider Interessen sein: Der Fernwärmeausbau beginnt in den Straßen, die sowieso sanierungsbedürftig sind. Dadurch entsteht ein Synergieeffekt. Dazu müsste der Verwaltung jedoch seitens der Politik ein größerer Handlungsraum bei den Straßensanierungen gewährt werden, auch im Rahmen von Haushaltsmitteln. Zuletzt ist der gemeinsame Wille ein wichtiger Schlüsselfaktor. Es braucht ein Bekenntnis des Rates zum klimaneutralen Fernwärmeausbau, um die Ziele des Kommunalen Wärme- und Kälteplans zu erfüllen. Auch wenn der Ausbau größere Beeinträchtigungen in Form von langjährigen Baustellen und Lärm für die Anwohnenden bedeutet. Für weitere Informationen und einen besseren Austausch in großer Runde findet am 21. Mai 2026 ein energiepolitischer Workshop statt. Insgesamt muss der Zeitfaktor immer beachtet werden, denn es gibt ständige Markteingriffe auf bundespolitischer Ebene. Dort wird immer wieder eine rückschrittliche konservative energiepolitische Haltung eingenommen. Werden größere Änderungen beschlossen, könnten auch etwaige Förderungen wegfallen. Nach der Präsentation stehen Herr Maurer und Herr Meyerhoff dem Gremium für Rückfragen zur Verfügung.
Die Vorsitzende bedankt sich für den Vortrag und stellt die Frage, ob für einen Trassenverlauf von fünf Kilometern wirklich Kosten in Höhe von 15 Millionen Euro entstehen. Die Stadtwerke bejaht dies. Die SPD-Fraktion gibt an, dass das Konzept sehr schlüssig und durchdacht erscheint und auch innerhalb der Politik der Wille vorhanden ist. Jedoch kann nicht mehr Geld ausgegeben werden, als vorhanden ist. Daher sollten die nötigen Finanzmittel schnellstmöglich angemeldet werden. Weiterhin muss genau geplant werden, wann welche Straßen aufgerissen werden müssen. In der Vergangenheit kam es schon öfter zu der Situation, dass eine Straße kurz nach Wiederherstellung erneut aufgerissen wurde. Die Stadtwerke erklären, dass die Stadtwerke selbst für die Kapitalaufnahme des Fernwärmeausbaus verantwortlich ist. Die Kosten werden dann über den Verkauf der Fernwärme zurückverdient. Dieser Punkt fällt nicht in den Zuständigkeitsbereich der Verwaltung. Man könnte allerdings höhere Finanzmittel für Straßensanierungen im Haushalt freigeben, da die Verwaltung für einen Synergieeffekt verlässlich nach ihrem Plan die Straßen sanieren können müsste. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erklärt, dass für dieses Ziel des Fernwärmeausbaus ein Weg aufgezeigt wurde, der aber auch Risiken beinhaltet. Es stellt sich die Frage, ob es bereits einen Preis pro Kilowattstunde für den besten und schlechtesten Fall gibt. Die Stadtwerke kann die Frage nicht konkret beantworten, weil der Preis von vielen Faktoren abhängt. Momentan sind die Preise sehr günstig und es wird davon ausgegangen, dass die Preise unter den Preisen in Hamburg bleiben werden. Es wird aber teurer werden als die Gasversorgung von gestern, jedoch günstiger als die Wärmepumpenversorgung. Eine weitere Frage bezieht sich auf die Eigenkapitalrendite und ob die Stadtwerke diese kürzen wollen. Dies würde auch eine Veränderung für den städtischen Haushalt bedeuten. Die Stadtwerke erklären, dass haushaltspolitische Effekte möglich sind. Es kommen hohe Investitionskosten auf die Stadtwerke zu und man muss dementsprechend damit umgehen.
Die Vorsitzende erteilt Frau Täck, Abgeordnete und energiepolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Schleswig-Holsteinischen Landtag, das Wort. Sie stellt die Frage, warum Fernwärme in einigen Gebieten laut Stadtwerke alternativlos und der Einsatz von individuellen Luftwärmepumpen nicht möglich ist. Zudem stellt sie die Frage, wieso Fernwärme teurer ist als Erdgas. Frau Täck stellt fest, dass der Fernwärmepreis sehr relevant ist und fragt sich, wieso die Stadtwerke keine ungefähren Preise angibt. Die Stadtwerke führen als Beispiel die Bahnhofstraße an. Für Luftwärmepumpen werden Aufstellflächen benötigt und diese sind für 82% der Häuser in der Bahnhofstraße nicht existent aufgrund der engen Bebauung. Daher ist Fernwärme in diesen Bereichen die kostengünstigste Möglichkeit. Zu den Kosten erklären die Stadtwerke, dass sie einen signifikanten Anteil der Haushalte in Wedel mit Erdgas versorgen, welches historisch sehr günstig aus Russland gekauft wurde. Dies führt zu geringen Systemkosten. Jetzt soll es aber ein neues Energiewirtschaftssystem geben und die dortigen Brennstoffe sollen grün sein, wie zum Beispiel Wasserstoff. Diese Brennstoffe sind aber deutlich teurer als Erdgas, sofern die Politik das Erdgas in der Zukunft nicht künstlich teuer macht. Die Vorsitzende erkundigt sich nach dem energiepolitischen Workshop, zu dem die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses eingeladen wurden. Sie führt an, dass eine Einladung für die Mitglieder des Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschusses ebenfalls sinnvoll wäre. Die Stadtwerke erklären, dass der Rahmen im Aufsichtsrat beschlossen wurde. Sie werden prüfen, ob die Teilnahme der UBF-Ausschussmitglieder räumlich möglich ist. Die Vorsitzende bedankt sich bei Herrn Maurer und Herrn Meyerhoff. Beide verlassen die Sitzung um 21:18 Uhr.
Anlagen
| Nr. | Name | Original | Status | Größe | |
|---|---|---|---|---|---|
|
1
|
(wie Dokument)
|
1,7 MB
|
